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  • Elina Garanča legt Biographie vor: Wirklich wichtig sind die Schuhe

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    Bevor sie sich zum zweiten Mal in die Babypause verabschiedet, legt Star-Mezzosopranistin Elina Garanca ihr erstes Buch vor. Unter dem Titel »Wirklich wichtig sind die Schuhe« erzählt sie ihren rastlosen Lebensweg aus dem lettischen Kuhstall auf die großen Bühnen dieser Welt.

    Die erst 37-jährige Opernsängerin startet ihre Erinnerungen mit dem Hinweis auf den Zwiespalt, mit dem viele gefeierte Künstler umgehen müssen, und das macht sie sympathisch. Auf der Bühne sind Sänger umjubelte Rollenstars in einer Welt des Zaubers, der Fantasie und der Emotionen. Schlüpfen sie aber in der Garderobe aus ihren Kostümen, dann sind sie nackt und allein.

    »Der Erfolg schützt den Künstler nicht vor der Einsamkeit«, weiß Garanča. Dabei wirkt das einstige »Bauernmädchen«, das in Riga mit der Crème de la Crème der Intellektuellen aufwuchs, alles andere als einsam. Die Mutter war ebenfalls Mezzo, die Großeltern hingegen Bauern, die sie an jedem Wochenende besuchte – unter anderem, um den Kühen auf den Wiesen kleine Dialoge oder Lieder aus dem Theater vorzutragen.

    Wie für viele andere Künstler aus osteuropäischen Staaten war auch für Elina Garanča ein Vorteil, aus der Welt des Mangels und der sozialistischen Selbstorganisation zu kommen. Für sie bedeutet es kein Problem, aus wenigen Zutaten ein schmackhaftes Mahl zu bereiten, und auch der Aufbau von IKEA-Möbeln stellt keine Hürde dar. Dafür waren Honorare in Westgeld die Erfüllung eines Märchentraums. Ihr erstes Honorar, ein Scheck über DM 9.000,- vom Staatstheater Meiningen begeisterte sie übrigens so sehr, dass sie ihn einrahmte und an die Wand hing – bis die Intendanz nachfragen ließ, ob sie denn den Betrag nicht gelegentlich einlösen wollte, man würde gern die Buchhaltung abschließen.

    Ihren Weg nach oben beschreibt Garanča als Hindernislauf, der ihr alles abverlangte. Nur durch eiserne Disziplin und das Ergreifen jeder sich bietenden Gelegenheit schaffte sie es, ihre Stimme über anfänglich anderthalb Oktaven hinaus zu erweitern und sich auch schauspielerisch für die Hosenrollen zu qualifizieren, in denen sie debütierte. Sie sieht ihren Erfolg als Frucht harter Arbeit, als »eine Art Perlenkette, bei der ich jede Perle mit Sorgsamkeit und viel Ehrgeiz aufgefädelt habe«. Auf diese Weise schaffte sie es scheinbar mühelos über Wien nach Salzburg, Zürich, Aix-en-Provence, London, Paris bis nach New York.

    Rangiert üblicherweise im Opernbetrieb die Sopranistin als Primadonna, ist die Mezzospranistin »Seconda Donna«. Elina Garanča stieg jedoch selbst zu einer der Primadonnen auf, ohne bislang in den Geruch einer Diva zu kommen. Den Weg ihrer steilen Karriere beschreibt sie anschaulich und schlicht. Dazu zählen ihre Heirat mit Karel Mark, ihr Vertrag mit der Deutschen Grammophon, die erste Solo-CD, aber auch die Bekanntschaft mit anderen Stars der Opernwelt wie der Sopranistin Anna Netrebko, mit der sie in Bellinis »I Capuletti e i Montecchi« in einer der berühmtesten Liebhaber-Rollen der Weltliteratur brillierte.

    Garanča macht der Bühnenzauber, also die Stimmung, das Singen, der Applaus, süchtig. »Er kommt ohne Vorwarnung und vergeht, ohne dass man ihn greifen könnte.« Für sie spielt die Familie eine wesentliche Rolle aus Ausgleich, um eines Tages nicht in Leere und Einsamkeit alt werden zu müssen. Ihr Buch, das die für eine Biografie eigentlich viel zu junge Künstlerin Ida Metzger und Peter Dusek diktierte, beschreibt diesen Balanceakt anschaulich und wird dadurch zu einer interessanten und spannenden Lektüre.

    Elina Garanča: Wirklich wichtig sind die Schuhe

    Ecowin Verlag, Salzburg. ISBN 978-3-7110-0045-3

     

  • Gustavo Dudamel lässt die Wiener Philharmoniker tanzen

    Es mag nebensächlich sein: Doch wenn ich eine CD auspacke und mir als erstes eine ganzseitige Anzeigenseite der Luxusmarke »Rolex« ins Auge springt, reagiere ich voreingenommen. Mir ist klar, dass Sponsoren wichtig sind, in diesem Fall stellt sich die Schönbrunner Veranstaltung damit in das Licht derjenigen, die ihren Wohlstand gern zeigen, und das wird möglicherweise einem Teil des Wiener Publikums gerecht - der dargebotenen Kunst indes eher weniger.

    Denn Gustavo Dudamel, dessen herausragendes Talent als Nachwuchsdirigent diese CD qualitativ bestimmt, steht gerade dafür ein, mit den Ärmsten der Armen zu musizieren und sein eigenes Orchester quasi aus dem Staub der Straße entwickelt zu haben. Insofern stehen Dudamel und Rolex für die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich, die sich auch in der Musik spiegelt.

    Dieser Einwand soll nun keinesfalls an den verdienten fünf Sternen der Produktion kratzen. Denn musikalisch bieten die Wiener Philharmoniker unter Dudamels Stabführung Hörgenuss der Spitzenklasse. Die spritzig einleitende Polonaise aus der Oper »Eugen Onegin« passt übrigens ausgezeichnet zur Zielgruppe des erwähnten Sponsors, denn Komponist Tschaikowsky spricht mit seinem Werk direkt Aristokraten und Gutsbesitzer an. Das ändert sich aber bereits bei Mussorgsky und Borodin, hier wird bereits eine wesentlich größere gesellschaftliche Spannbreite hörbar. So handelt Mussorgskys mysteriös-orientalischer »Tanz der persischen Sklavinnen« aus seinem unvollendeten Musikdrama »Chowanschtschina« vom Auftritt der Tänzerinnen, die damit Titelheld Oberst Chowansky betören, bevor dieser ermordet wird.

    Neben den melancholisch-wild tanzenden Russen kommen Richard Strauss´ »Tanz der Sieben Schleier« aus »Salome«, Amilcare Ponchielles berühmter »Tanz der Stunden« aus »La Gioconda« und als Zugabe eine Zarzuela, Jerónimo Giménez »Intermezzo« aus »La boda de Luis Alonso«, in dem Konzert zu Gehör. Den eigentlichen musikalischen Höhepunkt des Programms bildet jedoch Claude Debussys Opus »La Mer«.

    Mit Debussy feierte die Musikwelt 2012 den 150. Geburtstag eines wichtigen Wegbereiters der Moderne. Mit seinen als »La Mer« 1905 (übrigens zufällig das Rolex-Gründungsjahr) zusammengefassten drei symphonischen Skizzen für Orchester schuf der Franzose eine von akademischen Regeln und Lehren befreite Musik, die dem »ewigen Rhythmus« von Wellen, Wind und Natur gehorchte und es dem Orchester wie der Zuhörerschaft nicht ganz leicht macht.

    Unter Dudamel werden die Stücke zu einem furiosen Tanz durch die Musik des ausklingenden 19. Jahrhunderts aufbereitet. Mal wird wild und gefühlsbetont getanzt, dann geht es wiederum lasziv und verführerisch zu, und schließlich löst sich alles in einem einzigen Rausch der Klänge auf.

    Dances and Waves
    Wiener Philharmoniker
    Gustavo Dudamel
    Summer Night Concert Schönbrunn 2012

    http://www.amazon.de/gp/product/B007TSPQDC

     

  • Wagners Erstling »Die Feen« jetzt auch für Kinder

    Bereits in jungen Jahren versuchte sich Richard Wagner, Spross einer vielköpfigen Theaterfamilie, als Dichter und Komponist. In jungen Jahren entstanden Schauergeschichten, die er wohl auch vertonte, dann aber wieder in den Papierkorb warf. Auch »Die Hochzeit«, seine allererste Oper, hat seinen eigenen Kriterien nicht standhalten können und ist unauffindbar. So gilt »Die Feen«, eine romantische Oper in drei Akten, die Wagner am 1. Januar 1834 vollendete, als früheste Oper des Komponisten.

    Zwar wurden »Die Feen« erst fünf Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers am 23. Juni 1888 erstmals aufgeführt, danach erfreute sich das Stück jedoch erstaunlicher Beliebtheit. Heutzutage wird der musikalisch spannungslose Dreiakter selten vollständig dargeboten, zu wenig ist von der späteren Meisterschaft des Tondichters zu hören. Bekannter hingegen dürfte die zwölfminütige Ouvertüre sein, die dem ersten Akt vorangestellt ist und einen kleinen Vorgeschmack auf das spätere Wagner-Schimmern der Streicher gibt.

    An der Wiener Staatsoper wurde 2012 Wagners Jugendwerk nun eingedampft, um sie Kindern vorstellen zu können. Diese hauseigene Fassung liegt jetzt als DVD vor. Die ursprüngliche Geschichte wurde dabei ebenso wie das Personal der Oper verschlankt, um die bei Wagner noch durchaus verwickelte Story von wahnsinnigen Zauberwesen, achtjährigen Frageverboten, Täuschungen, Meineiden und Ungeheuern der Unterwelt in eine auch für jüngste Opernbesucher verständliche Handlung zu bringen: Prinz Arindal erschießt auf der Jagd im Zauberwald ein Reh, das sich als die Fee Ada entpuppt. Die beiden verlieben sich ineinander und wollen nie wieder auseinandergehen.

    Wie es bei solchen Absichtserklärungen kaum anders sein kann, wird der Königssohn zum Dienst am Hof gerufen: Sein Vater verstarb, das Reich wird von Feinden bedroht, und seine Anwesenheit ist dringend erforderlich. Der Feenkönig gestattet Arindal, den Zauberwald zu verlassen. Sollte er jedoch nicht innerhalb eines Jahres zurückkehren, werde seine geliebte Ada in Stein verwandelt werden.

    Es lässt sich absehen, dass Staatsgeschäfte, Freunde und Verwandte den frisch gebackenen König in Beschlag nehmen. Die Frist verstreicht. Als Arindal endlich zu seiner Traumfrau zurückkehrt, findet er sie versteinert vor. Nun hilft nur noch die Macht der Liebe, die sich in der Oper durch die Kraft des Gesangs ausdrückt, um den Fluch zu lösen. Arindal (Gergely Németi) singt eine kraftvolle Arie, Ada (Daniella Fally) wird wieder erweckt, die beiden leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

    In dieser unverfänglich-schönen Fassung lässt sich Wagners Erstling auch Kindern »verkaufen«, und das gelingt gut, wie die vorliegende DVD beweist. Gleichzeitig wurde das Orchester geschrumpft auf Klarinette, Horn, Schlagwerk, Harfe, Streicher und Klavier.

    Neben den gern für Kinder aufbereiteten Opern wie Mozarts »Zauberflöte«, Prokofjews »Liebe zu den drei Orangen«, Humperdincks »Hänsel und Gretel« und Offenbachs »Hoffmännchen« gesellt sich nun also auch Richard Wagners Opus. Humperdinck ausgenommen spielen interessanterweise alle Stücke in Phantasie- und Märchenwelten. Hier passen »Die Feen« optimal hinein. Eine sehens- und hörenswerte Aufnahme, die auch jüngsten Musikfreunden großen Genuss schenkt.

  • Ausser Rand und Band: »Wagner for Sale«

    Wagner for Sale
    Die Beschäftigten von »Ring und Gral« kommen ins Schwitzen: Wagners 200. Geburtstag naht.    Foto: © Neuköllner Oper

    Wenige Tage vor dem 200. Geburtstag von Richard Wagner am 22. Mai 2013 präsentiert die Neuköllner Oper »Wagner for Sale«, ein knapp einstündiges Stück von und mit Sommer Ulrickson und Moritz Gagern. Das Stück reißt viele Fragen an, die um den Wagner-Mythos ranken. Es gibt Denkanstöße, sich mit dem größten deutschen Komponisten auseinander zu setzen und leistet dies, indem Ultrakurzzitate aus Leben und Werk mit musikalischen Versatzstücken munter gemischt werden.

    »Wagner for Sale« spielt im Büro der Firma »Ring und Gral«, in dem die Beschäftigten alle Hände voll zu tun haben, um die Nachfrage für originelle Fanartikel, darunter auch einen »Guide to survive Wagner« zu versenden. Das Team arbeitet chaotisch und erweckt kaum den Eindruck, es habe das Wagner-Merchandising im Griff.

    Sekretärin Hilde (Sommer Ulrickson) verfällt in Zuckungen, sobald Wagner erklingt. Teamchef Ludwig (Moritz Gagern) befasst sich lieber mit einem unaufgelösten Dur-Akkord statt Päckchen zu packen. Lagerist Horst Tristan (Christian Bo Salle) verheddert sich derweil im Klebeband, ihn interessieren biografische Feinheiten mehr als die Bestellungen seiner Kunden. Teammitglied Elsa (Olivia Stahn) hört nur dann auf zu singen, wenn man ihr einen Ring (eine gut zu Wagner passende Idee) vom Finger zieht.

    Besonders inspiriert scheinen die Beschäftigten von »Ring und Gral« durch die revolutionäre Frühphase des Komponisten, der mit Anarchisten bekannt war, sich vehement für die Reform des Theaterbetriebes einsetzte und dafür auf die Barrikaden ging, um schließlich sogar fliehen zu müssen und steckbrieflich gesucht wurde. Konsequent bestellt das Team allerlei Chemikalien, die offensichtlich dazu dienen sollen, Wagners kompositorische Sprengkraft auch konkret unter Beweis zu stellen. Dazu wird immer wieder auf die »Erlösung« verheißenden Botschaften einiger Wagner-Opern verwiesen. Bevorzugt wird dabei mit Elementen des Slapsticks und Versatzstücken gearbeitet.

    So vergnüglich das Geschehen auf der Bühne ist: Es bleibt die Frage, ob es ausreicht, das Publikum mit einer eher marmeladig-indifferenten Botschaft zu entlassen. Denn was ist nun mit dem Heilsversprechen und Erlösung? (Derartiges wird inzwischen selbst Krisen-Kanzlerin Merkel angedichtet.) Welche Rolle spielt die Judenfrage in der Weltanschauung des Meisters? (War es Zeitgeist, Überzeugung oder doch nur Anbiederung zwecks Anerkennung durch die seinerzeit extrem antisemitische Oberschicht …) Welche Sprengkraft haben Wagners Werke heutzutage wirklich?

    Es sind viele Aspekte, die in der Inszenierung angerissen werden. Allerdings bieten sie Anlass zu weiteren Fragen, zu Gesprächen, Austausch und Diskussion – und das tut dem Mythos um Wagners Persönlichkeit ebenso gut wie dem Zugang zu seinen Tondichtungen.

    Weitere Berichte über die Neuköllner Oper im OpernBlog
    Bitte H I E R klicken

    Richard Wagner: Genius oder Arschloch?
    Interview mit Ruprecht Frieling

  • Das große Heft - Skandal einer Operninszenierung ohne Skandal

    "Das große Heft" heißt ein Roman von Ágota Kristóf und so lautet auch der Titel der Oper, deren Libretto von Ralf Waldschmidt, dem Intendanten der Städtischen Bühnen Osnabrück und dem Komponisten Sidney Corbett gemeinsam daraus verfaßt wurde. Das Heft, in das Zwillinge, neunjährige Jungen, ihren Überlebenskampf in einer durch Kriege unmenschlich gewordenen Welt tagebuchartig notierten. Es ist ihr Mittel sich der (Selbst-)Zerstörung zu entziehen. Die Vorlage verspricht eine Oper von shakespearischer Dramatik.

    Sidney Corbett - Jahrgang 1960, in Chicago geboren - ist kein Unbekannter in der heutigen Komponisten-Generation mehr. Der Amerikaner, seit Jahren in Berlin mit seiner Familie lebend und in Mannheim lehrend, hat sich als Ligeti-Schüler schon durch beachtliche Neuschöpfungen hervorgetan. Nun erhielt er von den Städtischen Bühnen Osnabrück den Auftrag zu einem weiteren Werk, seiner vierten Oper; und der Stoff: das so überaus erfolgreiche Buch der Ungarin Ágota Kristóf (1935 - 2011), worin sie Teile ihrer düsteren Biografie verarbeitet hat. Infolge der politischen Umwälzungen in ihrem Land immigrierte die Autorin 1956 in die französisch sprechende Schweiz. Erst spät und in mühsam für sie zu erlernendem Französisch begann sie zu schreiben und zu veröffentlichen - 1986 "Das große Heft".

    Beckett'sche Strenge

    Waldschmidt hatte Kristófs Buch gelesen und Corbett geschenkt. Der Komponist war schockiert - unmöglich, so etwas zu vertonen, dachte er, Vater von 3 Kindern. In einem Zug hatte er das Buch auf einer Fahrt von Mannheim nach Berlin gelesen und darüber weinen müssen, wie es im Programmheft heißt. Aber dann inspirierte ihn doch diese ungewöhnliche literarische Form, mit dem ein Inhalt von so grauenvoller Menschlichkeit vermittelt wurde. Er entwickelte eine dazu passende Musiksprache von ebenfalls ganz ungewöhnlicher Art. Das Orchester, was nicht einmal eine dominierende Rolle zu spielen hat, besetzte er zu einem großen Teil mit Perkussion-Instrumenten, darunter auch Eisenketten und Ölfässer. Getragen wird die Oper aber von den Stimmen des Stückes, den Zwillingen, der Großmutter, dem Offizier, Hasenscharte, dem Herrn Pfarrer, der Magd, der Mutter etc. Sie alle haben keinen Namen, sind nur "die Zwillinge", "die Großmutter". Reduzierungen von Beckett'scher Strenge. Anders war für die Autorin eine Realität verrohter Unmenschlichkeit nicht darstellbar. Und Corbett folge ihr genial. Die Farbigkeit des klassischen Symphonie-Orchesters reduzierte er zu trockenen Synkopen von Blech und Schlagzeug. Streicher und Holzbläser, dünner besetzt, spielen weitgehendst nur eine solistische Rolle als Töne der Gestaltung von ausdrucksstarker Symbolik und in eine gefühllose, unbarmherzige Zukunft weisend.

    Kaum ein Roman macht deutlicher, wie ständiger und allgegenwärtiger Krieg die Zivilisation der Menschheit zerstört und eine Rückwärtsentwicklung in Ur-Zeiten zur Folge hat. Die Menschen - auch Kinder schon - verkümmern zu seelischen Krüppeln. Leider beginnen hier Schwächen der Oper durch Zugeständnisse an ein bürgerliches Theaterpublikum. Man scheute das Wagnis, zu stark zu verstören. Man wich dem Skandal aus.

    Die Zwillinge gehen nicht zur Schule. Statt dessen verordnen sie sich Lernen aus einem alten Sprachbuch ihres Vaters und der Bibel, die sie bei der Großmutter finden. Sie lernen sie auswendig. Um Seele und Körper abzuhärten, führen sie täglich Übungen in Grausamkeit aus, in dem sie zum Beispiel erst Tiere und dann auch Menschen töten, und sie lernen lügen stehlen und betrügen. Moral ist den Menschen in diesem Buch und so auch der Oper längst abhanden gekommen. Und dennoch erscheinen die "Hundesöhne", wie die Großmutter die Zwillinge nur nennt, nicht als Monster.

    Die Inszenierung der Uraufführung in Osnabrück von Alexander May beginnt mit dem Brudermord von "Kain und Abel", der von der Erzählerin des Stückes vorgetragen wird. Das Buch von Ágota Kristóf kann auf solche "Interpretationen", die eher irritieren, verzichten. Sie kommen bei ihr nicht vor. Die Autorin benötigt religiöse Deutungsversuche für die Welt von heute nicht. Im Gegenteil. Das Buch ist von eisiger realer Kälte durchzogen und durchgehend konkret. Die Zwillinge halten wie Pech und Schwefel zusammen. Es bleibt offen, ob sie nicht gar ein einziges Wesen sind. Nur so haben sie nämlich die Chance, den Überlebenskampf zu bestehen.

    Die Großmutter

    Eine weitere Inszenierungs-Schwäche der Oper zeigt sich bei der Großmutter, obwohl sie ganz exzellent von der Bremer Kammersängerin Eva Gilhofer dargestellt und gesungen wird. Es heißt zu ihr in dem Roman, dem "großen Heft", in das die Zwillinge alles eingetragen haben, was sie sehen und erleben, doch erst, nachdem sie geprüft haben, das es auch wahr ist:

    "… Bevor wir zu ihr zogen, wussten wir nicht, dass unsere Mutter noch eine Mutter hatte. Wir nennen sie Großmutter. Die Leute nennen sie die Hexe. Sie nennt uns "Hundesöhne". ….. Ihr Gesicht ist voll Runzeln, brauner Flecke und Warzen. … Großmutter wäscht sich nie. … Sie trägt keine Unterhose. Wenn sie urinieren muss, bleibt sie stehen, wo sie sich gerade befindet, macht die Beine breit und pisst auf die Erde unter ihren Röcken. … Großmutter zieht sich nie aus. …"

    Hier - auf den ersten Seiten des Romans - macht die Autorin schon klar, in welcher Welt von verrohter Zivilisation ihre Erzählung angesiedelt ist. Dem folgt die Oper nur bedingt. Dort ist die Großmutter zwar hart und knurrig, aber überwiegend doch noch eine "Großmutter" - manchmal sogar eine Oma. Der Roman zeigt diese Frau dagegen, die ihren Mann vergiftet hat, im Dorf Hexe genannt wird, in dem sozialen Rahmen, in den die unschuldigen Kinder, ihre Enkel jetzt aufgrund der Kriegs-Ereignisse geraten sind. Sie lässt sie widerwillig auf der Holzbank in der Küche schlafen. Für das karge Essen müssen sie arbeiten. Zu den Auslassungen der Opern-Inszenierung gehört auch eine Sodomie-Szene mit "Hasenscharte" und ihrem Hund. Dafür werden körperliche Verletzungen zur Abhärtung des Schmerzempfindens drastischer dargestellt. Der in dieser Szene auftretende Kinderchor hält sich die Augen vor den grauenhaften blutigen Selbstverstümmelungen der Zwillinge zu. Bunte Luftballons, mit denen die Kinder des Chors spielen, unterstreichen den kaum auszuhaltenden Gegensatz von Idylle und Brutalität.

    Zum Ende hin steigert sich auch die Handlung der Oper zu immer knapperen Sequenzen voller Logik und Stimmigkeit, so dass die Endszene mit dem plötzlich aus dem Gefängnis aufgetauchten Vater eine enorme Überzeugungs-Kraft gewinnt. Die Musik Corbetts begleitet Handlung und Personen zu starken emotionalen Höhen. Der Vater muss sterben. Seine Kinder wissen es. Sie helfen ihm, in dem sie ihn auf eine Mine in den Tod laufen lassen. Damit einer von ihnen die Grenze - eine Grenze - welche Grenze? zu einem anderen - besseren Land? - überschreiten kann? Auch das - wie Vieles in dem Stück - bleibt offen. So wird dem Publikum überlassen, welche Schlüsse zu ziehen sind.

    Corbetts Oper hätte einen Skandal verdient

    Theater, auch Musiktheater, braucht für seine Aufmerksamkeit den Skandal. Das Publikum, für das die Kompositionen und Inszenierungen gemacht werden, muss sich getroffen fühlen und bis zu "Prügeleien" erregen. So kennen wir es aus Zeiten, wo Opern noch für Schlagzeilen sorgten. Corbetts "Das große Heft" hätte solches Aufsehen verdient. Doch das Premierenpublikum in Osnabrück war zwar teilweise schockiert, wie vereinzelt nach der Aufführung zu hören war, applaudierte auch lange, doch insgesamt artig und angemessen den Darstellern und Musikern. Beim folgenden Büfett war die Stimmung eher ausgelassen. Damit zeigt sich außerhalb des Stückes ebenfalls schon der Prozeß der Abhärtung, den die Zwillinge im Kampf ums Überleben sich verordnen, der also in der Realität bereits gegenwärtig und wirksam angekommen zu sein scheint. Die Kriegsbilder in den Medien, täglich zum Abendbrot und auch sonst, serviert, lassen harmlos erscheinen, was hier genial mit Mitteln der Kunst vorgeführt wird. Das Publikum ist offenbar bereits immun gegen diese verbrecherische, grausame und mafiöse Gewaltmaschinerie, die Ursache für Kriege und die Verrohung der Kinder und Menschen in dem Roman und der Oper sind. Wirklichkeit wird verdrängend als Spiel hingenommen. Man will leben! Unterhaltsam und vergnügt leben. Dazu gehört dann auch ein grausames Spektakel wie diese Opernpremiere.

    Die Inszenierung macht Zugeständnisse. Sie lässt weg oder spart aus. Sie nutzt nicht ihre künstlerische Freiheit, sondern folgt dem Mainstream. Libretto und Inszenierung klammern sich fast ängstlich an den großartigen Roman von Ágota Kristóf und schaffen es nicht, sich von diesem Literatur-Schwergewicht zu lösen. Davon zeugt das Vorhandensein einer Vorleserin, die auf der Bühne nicht sichtbar und damit auch musikalisch von Corbett nicht integriert wurde. Die sonst so kreative Neuschöpfung des modernen Musiktheaters verfehlt damit leider, was sie hätte werden können. Aber trotzdem darf man allen Beteiligten der Städtischen Bühnen dankbar sein und auf weitere Realisierungen anderer Häuser mehr als gespannt warten. Das Stück erlaubt durchaus, die Akzente auch anders zu setzen.

    Auf die ganz hervorragenden Leistungen der Schauspieler/Sänger sowie der perfekten Interpretation des Orchesters unter der Leitung seines GMD Andreas Hotz weisen inzwischen zahlreiche Rezensionen vieler maßgebender Medien begeistert und lobend hin.

    Mehr zum Inhalt der Story "Das große Heft" von Ágota Kristóf enthält meine Rezension im "Literaturzeitschriftblog".

    Weitere Aufführungen: Städtischen Bühnen Osnabrück - Spielplan

  • Mailand: Scala eröffnet Opernsaison mit Wagners »Lohengrin«

    LohengrinMit Richard Wagners »Lohengrin« eröffnete die Mailänder Scala am gestrigen Abend die Opernsaison Fotos: © W.R. Frieling

    Von außen wirkt die Mailänder Scala eher unscheinbar und nicht unbedingt wie eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt. Doch von innen ist sie ein sechsstöckiges Raumwunder, das 2.300 Zuschauer fasst. Entsprechend viele Musikliebhaber drängten sich in die seit langem ausverkaufte Premiere von Wagners »Lohengrin«, mit der am 7. Dezember, dem Geburtstag des Schutzpatrons der Stadt, wie in jedem Jahr die diesjährige Opernsaison eröffnet wurde. Mit dem Dreiakter wurde gleichzeitig das Wagnerjahr 2013 eröffnet, in dem der 200. Geburtstag des Komponisten gefeiert wird.

    Claus Guth inszeniert die Geschichte um den frommen Ritter, der in einem Gottesgericht eine fälschlich des Brudermordes angeklagte Frau entlasten muss. Bei Guth wird der stolze Held, der laut Libretto auf einem Schwan ins Bild geschwommen kommt, zu einer gebrochenen, schattenhaften Figur, die letztlich unerlöst wieder abreisen muss, weil Elsa von Brabant ihren ihm gegebenen Schwur bricht und ihn nach Namen und Herkunft fragt. Elsa hingegen wird von der Regie als Borderlinerin interpretiert, die sich in Visionen ergeht und Lohengrin für einen Wiedergänger ihres toten Bruders hält. Von diesem eigenwilligen interpretatorischen Ansatz abgesehen, liefert die Inszenierung handwerklich sauberes Regietheater und erzählt die Geschichte nüchtern und unaufgeregt.

    Dabei spielt sich im Stück ein packender Krimi ab: Ortrud aus dem Geschlecht des Friesenfürsten Radbods will ihren Mann auf den Königsthron hieven und ihrer Blutlinie einen Platz an der Sonne sichern. Sie ertränkt den kleinen Bruder der legitimen Thronfolgerin Elsa von Brabant und erzählt ihrem Mann, Baron Friedrich von Telramund, sie habe beobachtet, wie Elsa ihr Brüderchen um die Ecke brachte. Der wiederum glaubt seiner Frau und klagt Elsa öffentlich an. König Heinrich der Vogler stellt die Angeklagte zur Rede, die zum Beweis ihrer Unschuld an dem Verbrechen einen Gottesbeweis verlangt. Ein Streiter soll sich für sie mit dem Ankläger messen, Gott soll demjenigen, der die Wahrheit vertritt, das Schwert zum Sieg führen.

    Ob Telramunds Fechtkünste tatsächlich so mutig sind, dass niemand sich traut, für Elsa zu kämpfen oder die Brabanter ein Volk von Hasenfüßen ist, lässt Wagner offen. Jedenfalls findet sich keiner, und so folgt Elsa einem Traum und ruft einen Streiter vom Himmel herbei. Der kommt alsbald im Schwanentaxi und stellt sich ihr zur Verfügung unter der Bedingung, dass sie ihn niemals nach Herkunft und Namen fragt, indem er die berühmte Arie »Nie sollst Du mich befragen …« singt.

    Die Wahrheit siegt. Der Ritter setzt Telramund den Stahl an die Kehle, doch er ist ein gutmütiger, und – wie sich im Verlauf der Ereignisse zeigen wird – allzu blauäugiger Held, der dem Besiegten das Leben schenkt.

    Alles scheint klar. Gott hat als höchste Instanz Recht gesprochen. Lügner Telramund wird konsequent vom Hof verbannt. Der fremde Ritter bekommt Elsa mit Haut und Haaren als Hauptgewinn und unter den Klängen des berühmtesten Hochzeitsmarsches der Musikgeschichte heiraten sie »traulich geführt«.

    Doch Ortrud, die alte Hexe, gibt keine Ruhe. Sie macht ihren Mann glauben, bei dem Kampf sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Ein derart mutiger Kämpfer wie er sei doch nur vom Teufel unterzukriegen. Das saugt der in seiner Ehre gekränkte Mann auf wie ein Schwamm. Auch Elsa lässt sich von Ortrud verunsichern und möchte nun unbedingt wissen, woher der geheimnisvolle Fremde stammt.

    Nach dramatischem Hin und Her stellt Elsa die alles entscheidende Frage. Lohengrin gibt sich als Gralsritter zu erkennen, der von seinem Vater Parzifal von der Burg Montsalvat geschickt wurde, um ihr beizustehen. Da nun seine Anonymität durch die Missachtung des Frageverbots aufgehoben wurde, muss der Schwanenritter zu seinem eigenen Leidwesen wieder zurückreisen und darf nicht länger Elsas Hand halten.

    Bevor er den Schwan zur Rückreise besteigt, erschlägt er schnell noch Telramund, damit ein jeder sieht, dass er keine halben Sachen macht. Anders als in Wagners Frühwerk »Der fliegende Holländer« stürzt die liebende Frau ihrem davon schwindenden Lover nicht nach in den Tod, sondern bleibt zerknirscht zurück.
    Lohengrin (1) Wagner und Verdi sind die beiden Schwerpunkte der Opernsaison in Mailand. Plakat vor dem Teatro alla Scala

    Wagners überschaubare und relativ leicht übersetzbare Geschichte wird von Regisseur Claus Guth – abgesehen von seiner eingangs erwähnten eigenwilligen Interpretation des Helden – unambitioniert präsentiert. Das aus einem offenen Lichthof bestehende Bühnenbild von Christian Schmidt lässt Lichtdesigner Olaf Winter wenig Spielraum, viel mehr als perfekte abgestimmte Lichtstimmungen zu zeigen. So kommt die volle Konzentration der Musik zu.

    Das Orchester der Scala hat sich seinen guten Ruf als Klangkörper verdient, der sich auf die Hauskomponisten Verdi und Donizetti spezialisiert. Wagners Musik verlangt indes eine sowohl in den zarten wie den mächtigen Tönen eigene Spielweise, und die ist nur durch harte Probenarbeit unter einer deutlich betonten Stabführung zu erreichen. Bei dem Mailänder »Lohengrin« dampft die Musik leider nicht aus dem Graben, es gleißt und glimmert nur selten, und schlagen Becken aufeinander, dann macht es flach Peng! statt Sternenstaub zischend aufsteigen zu lassen.

    Immerhin schafft es Daniel Barenboim, die Lautstärke bei den entscheidenden Partien so weit herunterzufahren, dass Lohengrin-Interpret Jonas Kaufmann den ihm eigenen süßen Tenor voll zur Geltung bringen kann. Der Sänger ist mit seinem Legato eines der Highlights der Inszenierung, er stellt Lohengrin weniger als Helden denn als einen Streiter für die Liebe dar. Dabei spielte ihm ein glückliches Schicksal Annette Dasch als Partnerin zu, mit der sich ein perfektes Paar fand. Die Sopranistin war erst am Vorabend der Premiere für die weibliche Hauptrolle angeheuert worden, nachdem die ursprünglich für die Rolle disponierte Anja Harteros ebenso wie deren Zweitbesetzung durch Krankheit ausgefallen war. Abgesehen von der Leistung, ohne Proben auf die Bühne zu gehen, brillierte Annette Dasch, so dass sich der Rollentausch für den gesamten Abend als Vorteil darstellte.

    Verdienten Applaus der Premierenbesucher erhielten auch die dramatische Mezzosopranistin Evelyn Herlitzius als Hexe Ortrud und der Dresdner René Pape in klar akzentuiertem Bass als König Heinrich. Großartige Arbeit lieferte schließlich der Chor der Scala unter Bruno Casoni.

    Das begeisterte Premierenpublikum dankte den Akteuren mit einem Blumenregen, lang anhaltenden Bravo-Rufen und fünfzehnminütigem Applaus. Ungewöhnlich für die Mailänder Scala: Es gab keine Buhrufe. Ein großartiger Start mit Richard Wagner in die Saison, die sich in 2013 schwerpunktmäßig mit Verdi befasst, dessen 100. Todestag im Oktober begangen wird.

  • Dirigieren heißt Übersetzen

    Der Taktstock
    Als quicklebendiger und kurzweiliger Crashkurs über den Beruf und die Tätigkeitsfelder des Dirigenten und seines Markenzeichens, des Taktstocks, versteht sich dieser mit viel Humor erarbeitete Dokumentarfilm von Michael Wende.

    Um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, was der Typ, der vor dem Orchester herumfuchtelt, eigentlich leistet und was ihn auszeichnet, begleitet der Autor und Regisseur backstage den Bamberger Gustav-Mahler-Dirigentenwettbeerb 2010 von der Vorstellung der Kandidaten bis zur finalen Entscheidung. Dabei erfährt der Zuschauer, dass Dirigieren eigentlich Übersetzen bedeutet.

    Der Maestro übersetzt einerseits die Arbeit eines Komponisten für den einzelnen Musiker sowie für das gesamte Orchester. Andererseits versucht er, dem Publikum die jeweilige musikalische Welt zu erschließen. Insofern verwundert es kaum, dass ein besonders feinfühliger junger Nachwuchsdirigent den Wettbewerb gewinnt.

    Der Film beleuchtet die Arbeit des Taktstockschwingers auf vielfältige Weise. Durch schnelle Schnitttechnik und den Einbau des Taktstock als freche Zeichentrickfigur erschließt sich dem Zuschauer die facettenreiche und schwierige Aufgabenstellung, die ein Dirigent zu bewältigen hat.

  • KAMINSKI ON AIR: Making-of »Rheingold« (Video)

    Zum 200. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner entsteht eine vierteilige DVD-Serie seines Monumentalwerkes »Ring des Nibelungen« in einer genialen Adaption und Übersetzung von Stefan Kaminski.

    In einem Making-of erzählen der König der Stimmenmorpher und sein Team, wie der erste Teil des Dramas um den magischen Ring entstand und inszeniert wird.

    Die DVD wird Anfang 2013 erhältlich sein. Die Making-ofs der anderen Teile folgen an dieser Stelle. Ein Blog-Abonnement sichert rechtzeitige Information.

    Nur einen Klick weit entfernt ist das Buch zum »Rheingold«. Für nur € 0,99 erzählt Ruprecht Frieling, Produzent der DVD, den spannendsten Opernkrimi der Welt: KLICK MICH

  • Gratis: Der spannendste Opernkrimi der Welt


    Rheingold1Um das vollständige Original-Libretto erweitert liegt jetzt das E-Book "Der Ring des Nibelungen (1)" vor. Darin erzählt Autor Ruprecht Frieling den spannendsten Opernkrimi der Welt auf junge und modene Sicht.

    Anläßlich des 129. Todestag des großen deutschen Komponisten Richard Wagner am 13. Februar gibt es das sonst zum Preis von nur 99 Cent angebotene Elektrobuch ab 9.00 Uhr für 24 Stunden kostenlos.

    Diese Aktion bietet jedem eine gute Gelegenheit, sich mit dem Werk des revolutionären deutschen Opernkomponisen näher bekannt zu machen.

     

     

    Wilhelm Ruprecht Frieling
    Der Ring des Nibelungen (1): Das Rheingold
    Mit Original-Libretto

    Umfang: ca. 134.000 Zeichen = 90 Normseiten
    ISBN 978-3-941286-67-2 • € 0,99
    http://www.amazon.de/dp/B00539U3UK

    Leserstimmen:

    Endlich habe ich verstanden, was es mit der Sage und der Oper auf sich hat. Wagner war für mich immer ein Komponist, um den ich einen Riesenbogen gemacht habe. Dicke Frauen, viel Geschrei, Düsternis und Musik, die einen erschlägt. Und was die Sage angeht - oh je, viel Drachenblut, Intrigen, böse Mächte, ein bisschen Achillesferse an der Schulter … Alles in allem genauso verwirrend-pompös wie die Oper. Aber jetzt hat der Stoff dank dieses Buches seine Schrecken verloren. In lockerer, leicht verständlicher Erzählart führt uns Herr Frieling nicht nur an, sondern in die Materie, ohne dabei den berühmten erhobenen Zeigefinger herauszuholen. Eine wirklich empfehlenswerte Lektüre für alle, die wie ich Wagner skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen.
    E. M. Maxima

    Frieling erzählt den spannendsten Krimi der Opernwelt: Richard Wagners Epos »Das Rheingold«, erster Teil der legendären Oper »Der Ring des Nibelungen«. – Es heißt, Geld verderbe den Charakter. Die Meinungen darüber sind geteilt. Schließlich verdirbt auch Armut den Charakter, und ein mittleres Vermögen trägt ebenso wenig zur Charakterstärke bei. Doch wer bereits einen schlechten Charakter hat, kann der im Goldrausch noch tiefer fallen? Durchaus, er kann! Der Wirbel um das sagenhafte Rheingold beweist, dass im Gold und der darauf beruhenden Macht Verderben ruht. Der unwiderstehliche Zauber, den das edle Metall ausübt, ist der Fluch, an dem die Menschheit zugrunde geht. Dies ist die zentrale Botschaft des Dramas vom Ring des Nibelungen.
    Opern-Blog

    Um Wagner-Opern mache ich ja normalerweise einen großen Bogen, die Nibelungensage fand ich aber immer schon spannend; gut, dass sich Wilhelm Ruprecht Frieling an die Erzählung des Wagnerstoffs gewagt hat. So konnte ich endlich auch einmal Richard Wagners Epos "Das Rheingold" aus einer neuen Perspektive kennenlernen. "Das Rheingold. Ein Opernkrimi" macht Lust auf mehr aus der Wagner-Welt.
    Jörn Brien

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  • Grusical: Frau Zucker will die Weltherrschaft

    Frau Zucker.jpg Hauswartssohn Hansi liegt zum Aussaugen bereit Foto: ©Ruprecht Frieling

    Peter Lunds neues Familien-Grusical in der Neuköllner Oper basiert auf einem Wortspiel. Kinder haben zu viel Energie singt das zehnköpfige Ensemble und gibt doppelsinnig das Thema des Stückes vor. Denn es geht um den Raub von Energie und die notwendige Energie, dagegen anzugehen.

    Frau Zucker will die Weltherrschaft lautet der Titel des neuen Musicals von Peter Lund, der mit Das Wunder von Neukölln sich selbst und der Neuköllner Oper den Maßstab setzte, der seitdem für deutsches Musiktheater „von unten“ gilt. Die bitterböse Frau Zucker lockt Kinder in ihre Wohnhöhle und bindet sie mit der sozialen Zuwendung, die ihnen in ihren Familien verwehrt wird, ebenso wie mit süßem Naschwerk. Ziel der alten Hexe ist, Hänsel und Gretel samt der Gebrüder Grimm lassen grüßen, die Kinder mit Zucker zu mästen, um sie dann energetisch auszusaugen. Denn die Energie eines einzelnen Kindes ist so stark, dass eine Stadt wie Berlin damit vier Jahre lang mit Strom versorgt werden kann.

    Frau Zucker wird es leicht gemacht. Hansi, der dicke Sohn des Hauswarts, der daheim geschlagen wird, hockt auf ihrer Couch und mampft Leckereien vor dem Fernseher. Tinchen, vernachlässigte Tochter einer depressiven Mutter, kommt ebenfalls täglich gern vorbei und genießt das künstliche Idyll. Lediglich die quirlige Meg verweigert sich dem süßen Sog.

    Obwohl ihre Eltern ständig unterwegs sind und ihre Tochter dem zotteligen Babysitter Pauli überlassen, der sie mit Klebeband fesselt und in den Schrank sperrt, damit er ungestört Fernsehen kann, traut sie Frau Zucker nicht über den Weg. Meg spioniert ihr nach und entdeckt das gruselige Geheimnis des Hexenheims: Assistiert von dem wieselig-klebrigen Vertreter Herrn Braasch, mit dem sie offenbar nicht nur ein geschäftliches Verhältnis hat, saugt Frau Zucker die Kinder aus. Auftraggeberin ist Frau Doktor Giftig, die ihren Namen zu Recht trägt und hinter einer Maschine steckt, die sich in der Duschkabine im Zucker-Heim verbirgt. Wer dort hineingesteckt wird, verliert seine jugendliche Energie und kommt nur als leblos-erwachsener Zombie wieder heraus.

    Der Stoff bietet damit alle Voraussetzungen für eine spannende und turbulente Handlung. Meg versucht, ihre Freundin zu retten. Bei den Erwachsenen stößt sie dabei auf Unverständnis. Die glauben, das Kind spinne und leide unter Wahnvorstellungen. Meg hat indes genügend Energie, die Story zu einem glücklichen Ende zu bringen. Wie ihr das gelingt und welche pfiffig-schräge Auflösung das Grusical findet, sei hier indes keinesfalls verraten. Dazu muß man Peter Lunds mitreißende Inszenierung der Neuköllner Oper schon selbst sehen.

    Die ungestüme Spielfreude und enorme Energie der jungen Darsteller allein sind schon ein visuelles Erlebnis. Mehrheitlich noch Teilnehmer des Studiengangs Musical/Show an der UdK Berlin zeigen sie in einer bis ins kleinste Detail abgestimmten Choreographie (Neva Howard) eine nahezu perfekte Leistung. In schauspielerischer und tänzerischer Hinsicht sind die Charaktere bis in die kleinsten Gesten ausgefeilt. André Haedicke als verfressener und obrigkeitshöriger Hauswartssohn Hansi spielt mit einer derartigen Überzeugungskraft, dass sich manch ein gestandener Staatsschauspieler hinter seiner Aura verstecken kann. Angela Bittel überzeugt in der Maske der „lieben“ Frau Zucker mit turmhohem Toupet, die sich als gnadenlose Kinderhasserin entpuppt. Nadine Aßmann spielt die unsympathische Frau Doktor Giftig so stark, als habe sie selbst von der Droge Hochbegabung genascht.

    Aber auch in musikalischer Hinsicht zieht Frau Zucker alle Register der Operette. Tondichter Wolfgang Böhmer schrieb ein Potpourri zündender Songs, Duette und Terzette, die von einer sechsköpfigen Band ausgeführt werden und von Schmusewalzer bis Rap reichen. Geschickt setzt er damit die erforderlichen Akzente, um die aktionsreiche Grusel-Soap auch akustisch zu beleben. Dabei brilliert die eigentliche Hauptdarstellerin des Musicals, die von Walesca Frank verkörperte freche Meg. Sie tanzt, singt und spielt die frech-intelligente Mädchen-Heldin, die kritisch hinter die Kulissen blickt und sich nicht verbiegen lässt.

    Frau Zucker will die Weltherschaft ist ein für die ganze Familie geeignetes Musiktheater der Spitzenklasse. Wer sehen will, wie schrille Zicken, tumbe Dumpfbacken und ignorante Eltern aufeinander prallen, der macht sich auf nach Neukölln.

    Weitere Berichte über die Neuköllner Oper im OpernBlog
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